Making-Of: Whisky-Glas

Autor: Helma Spona

Betrifft: Fotografie, Produktfotografie/Stillleben

Notwendige Objekte: Glas, Kunsteiswürfel aus Glas oder Acryl, Glasplatte oder Acrylglasplatte für die Spiegelung, Whisky oder ähnlich gefärbte Flüssigkeit und passende Flasche, weißer Hintergrund, Beleuchtung für Hintergrund und Beleuchtung/Spotlicht für das Glas

Getränke zu fotografieren ist nicht so leicht wie es auf den ersten Blick scheint. Denn hier kommen in der Regel gleich mehrere Probleme zusammen, insbesondere wenn die Getränke in Gläsern fotografiert werden sollen, denn schon alleine Glas perfekt zu fotografieren ist mit verschiedenen Schwierigkeiten verbunden. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wie dieses Bild entstanden ist.

Schritt 1: Das Motiv positionieren

Zuerst sollten Sie  Hinter- und Untergrund des Motivs vorbereiten und die Position des Motivs im Bild festlegen. Hier wurde eine Glasplatte auf einem weißen, in Hohlkehle gelegten Untergrund positioniert und zwar schräg. Die Schräglage des Glases wurde also nicht durch Kippen der Kamera erreicht, sondern indem das Glas auf einem schrägen Untergrund steht. Das sieht man daran, dass die Oberfläche der Flüssigkeit waagerecht verläuft.

Mit zwei Studioblitzen mit Softbox wurde der Hintergrund ausgeleuchtet, der durch die weiße Farbe das Licht reflektiert und so das Glas von hinten ausleuchtet. Ungünstig ist an der derzeitigen Beleuchtung noch, dass die Konturen des Glases nicht wirklich gut zur Geltung kommen. Die Form das Glases ist kaum zu erkennen, weil die Kanten recht hell sind.

Schritt 2: Die Beleuchtung optimieren

Gerade durchsichtige Objekte, wie Glas wirken nur dann wirklich, wenn die Konturen erkennbar sind. Bei Gläsern vor hellem Hintergrund müssen Sie die Kanten daher abdunkeln. Das geht, indem Sie mit schwarzem oder dunklem Papier oder Pappe Streifen in die Kanten reflektieren. Sie Positionieren dazu einfach schwarze Pappstreifen, bspw. Tonpapier rechts und links oberhalb vom Motiv.

Tipp:

Optimal ist es, wenn Sie die Streifen aufhängen. Dazu benötigen Sie aber entsprechende Aufhängevorrichtungen. Alternativ können Sie sie auch auf das in Hohlkehle gelegte Hintergrundpapier oder den Hintergrundstoff legen oder dort anheften.

Wichtig ist, dass Sie die Streifen so positionieren, dass sie nicht mit im Bild sind. Das ist nicht immer ganz einfach. Sie müssen dazu einfach ein wenig experimentieren.

Die weißen Lichtreflexe auf dem Glas kommen von der Softbox. Wo Sie sie positionieren ist eine Frage des Geschmacks. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass sie nicht exakt auf den Außenkanten liegen, denn die möchten Sie ja dunkel haben.

Tipp:

Sie können die Lichtreflexe durch Verschieben des Blitzes mit der Softbox auf der linken Seite des Glases variieren. Probieren Sie einfach, bis Sie die passende Position gefunden haben.

Der gesamte Aufbau für das Foto sieht dann wie folgt aus:

  • 1. Ein Studioblitz mit Spotvorsatz, zur Beleuchtung des Glases von schräg links oben. Das sorgt später für schöne Lichtreflexe und eine tolle Farbe des Getränkes.
  • 2. Ein Studioblitz mit langer Softbox von links, der das Motiv und in Teilen den Hintergrund ausleuchtet.
  • 3. Ein Studioblitz mit Softbox von rechts, der den Hintergrund weich ausleuchtet.
  • 4. + 5. Schwarze Pappstreifen zur Betonung der Glaskanten.
  • 6. Eine Glasplatte als Untergrund für die Spiegelung, schräg auf einem weißen Untergrund platziert.
  • 7. Die Kamera

Schritt 3: Das Glas präparieren

Wenn die Beleuchtung steht, müssen Sie das Glas vorbereiten. Stellen Sie unbedingt sicher, dass es absolut sauber ist, keine Fusel oder Streifen hat und auch die Unterlage perfekt sauber ist.

Tipp:

Markieren Sie sich, bevor Sie das Glas wegnehmen, unbedingt die Stelle an der es stand, damit Sie später die Beleuchtung nicht wieder anpassen müssen. Fassen Sie das gereinigte Glas nur noch mit Baumwollhandschuhen an, um es nicht wieder zu beschmutzen, wenn Sie die Tropfen aufbringen.

Füllen Sie künstliche Eiswürfel in das Glas und besprühen Sie es zumindest von der Vorderseite mit Wasser oder Glycerin, so dass sich am Glas bis zur geplanten Füllhöhe Tropfen bilden. Diese sind wichtig, damit das Glas wie mit Kondenswasser beschlagen aussieht.

Tipp: Wasser oder Glycerin?

Um die Tropfen zu erzeugen können Sie Wasser oder Glycerin verwenden. Glycerin hat den Vorteil, dass es nicht so schnell trocknet und Sie daher hinterher alle Zeit der Welt haben, Ihre Fotos zu machen. Wasser kann vor allem unter warmer Studiobeleuchtung schon mal schnell trocknen. Dann fehlen die Tropfen und sofern Sie kein destilliertes Wasser verwendet haben, befinden sich am Glas in der Regel Kalkflecken. Allerdings bin ich der Meinung, sehen Tropfen mit Glycerin oft nicht wirklich echt aus, den Sie lassen sich schlechter, gleichmäßig aufbringen und Glycerin neigt sehr schnell dazu am Glas herunter zu laufen. Wie gut sich die Tropfen auftragen lassen ist aber natürlich auch abhängig davon, wie gut der Sprühkopf Ihrer Sprühflasche ist.  Für dieses Bild habe ich Glycerin verwendet, bin mit dem Ergebnis aber auch nicht 100-prozentig zufrieden.

Stellen Sie das Glas anschließend wieder an die vorgesehene Stelle auf den Untergrund. Füllen Sie jetzt die Flüssigkeit bis zur geplanten Füllhöhe ein. Wichtig ist, dass Sie darauf achten, dass der oberste „Eiswürfel“ noch aus der Flüssigkeit ragt. Im Gegensatz zu echten Eiswürfeln, schwimmen die künstlichen nämlich nicht und das würde auffallen, wenn der Flüssigkeitsstand zu hoch im Glas wäre. Achten Sie außerdem darauf, dass der Flüssigkeitsstand mindestens die Höhe der Tropfen auf dem Glas erreicht, außer Sie möchten den Eindruck erwecken, das Glas wäre schon angetrunken. Denn in der Realität beschlägt das Glas natürlich nur bis da, wo die kalte Flüssigkeit im Glas steht.

Schritt 4: Abschließende Arbeiten und Kamera-Einstellungen

Zum Schluss müssen Sie noch die Flasche im Bild platzieren. Auch die sollten Sie natürlich vorher sehr gut reinigen. Wenn Sie möchten, dass das Glas sehr scharf, die Flasche aber etwas unscharf ist, müssen Sie einen größeren Abstand zwischen Glas und Flasche wählen. Hier hat er ca. 20 cm betragen, bei Blende 7,1 mit 60mm Brennweite an einer Nikon D90.  Wenn Sie eine Kompaktkamera oder eine Kamera mit größerem Verlängerungsfaktor verwenden, sollten Sie entweder noch eine kleinere Blendenzahl oder eine größere Brennweite nutzen, um einen ähnlichen Schärfeverlauf hinzubekommen. Die Spiegelung habe ich mit einem Polfilter optimiert.

Am PC habe ich später noch ein paar kleine Flecken im Hintergrund beseitigt und, weil ich das Bild in einer Bildagentur veröffentlichen wollte, ein Markenzeichen auf dem Etikett der Flasche beseitigt.

3 Gedanken zu “Making-Of: Whisky-Glas

  1. Pingback: Making-Of: frisches Wasser | Helma Spona

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