Makrofotografie mit Balgen und Zwischenringen – Teil 2

Autor: Helma Spona

Betrifft: Fotografie

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Makrofotografie ist ein höchst interessanter Bereich der Fotografie. Wer einmal damit begonnen hat, verfällt in eine Art Sucht. Kleines muss immer größer aufs Bild. Leider ist die Technik hier begrenzt. Große Abbildungsmaßstäbe lassen sich aber bspw. mit Balgen und/oder Zwischenringen erreichen. Im ersten Teil des Artikels ging es vor allem um den Zusammenhang zwischen Auszugverlängerung und Brennweite und die Folgen für den Maßstab. Hier sollen nun erweiterte Techniken behandelt werden.

Wie bereits im ersten Teil erläutert wurde, steigt bei Verwendung einer Auszugsverlängerung mittels Balgen oder Zwischenringen, der Abbildungsmaßstab. Je geringer die Brennweite ist, desto stärker die Vergrößerung, und desto  größer der Abbildungsmaßstab. Allerdings ist diese Möglichkeit begrenzt. Denn, je kleiner die Brennweite, desto näher müssen Sie ans Motiv. Irgendwann ist, abhängig von der Länge der Auszugsverlängerung und der Brennweite eine Kombination erreicht, wo Sie nicht mehr scharf stellen können, weil dazu Ihr Motiv hinter der Frontlinse des Objektivs liegen müsste.

Probleme des extrem kurzen Motivabstands

Mit dem immer kürzeren Motivabstand bei kleineren Brennweiten, gibt es ein weiteres Problem, nämlich die Beleuchtung. Wenn Sie weniger als 2cm vom Motiv entfernt sind, hilft auch ein Ringblitz nicht mehr. Dann können Sie Motive eigentlich nur noch von hinten beleuchten und dazu müssen sie transparent sein. Zudem schlägt selbst das gutmütigste Tier in der Regel bei Abständen unter 3cm die Flucht ein. Praxistauglich sind daher nur Brennweiten über 35mm, wenn Sie sie an Balgen oder Zwischenringen mit maximaler Auszugverlängerung nutzen möchten.
Für Abbildungsmaßstäbe, die darüber hinaus gehen, müssen Sie sich was anderes einfallen lassen. Dazu gibt es drei Möglichkeiten:

  • Ein Objektiv in Retrostellung am Balgen.
  • Ein Lupenobjektiv am Balgen
  • Ein Objektiv in Retrostellung ohne Balgen, dafür aber mit zusätzlicher Nahlinse.

Retrostellung

Objektiv in Retrostellung heißt, dass Sie ein Objektiv umgekehrt anschließen, also mit dem Filtergewinde zur Kamera. Da das aber natürlich nicht an das Bajonett der Kamera passt, brauchen Sie dafür einen Adapter, einen sogenannten Retroring oder Umkehrring für das Bajonett Ihrer Kamera.
Die Retrostellung hat zwei entscheidende Vorteile:

  • Größere Naheinstellgrenze
  • Besser Abbildungsleistung

Naheinstellgrenze

Die Naheinstellgrenze des Objektivs ist in umgekehrter Stellung fix auf einen Wert festgelegt, der dem Auflagemaß der Kamera entspricht. Bei gängigen SLR-Modellen beträgt das Auflagemaß um die 4cm.  Das heißt Sie gewinnen unabhängig von der Brennweite Abstand zum Motiv, den Sie zur Beleuchtung nutzen können.

Abbildungsleistung

Die Abbildungsleistung ist in Retrostellung besser. Das hat einen ganz einfachen Grund. Bei Brennweiten unter 40mm, handelt es sich in der Regel um Weitwinkel-Objektive, die in der Regel für Landschafts- und Architekturaufnahmen verwendet werden. Daher wird hier meist auf Unendlich fokussiert. Das heißt, ein gutes Weitwinkel-Objektiv erzielt auch bei Fokussierung auf Unendlich seine beste Abbildungsleistung. Drehen Sie nun das Objektiv um, entspricht die Unendlich-Stellung dem Nahbereich. Das heißt, die gute Abbildungsleistung, die Sie im Nahbereich bei normalem Anschluss des Objektivs nie erzielen können, steht ihnen in Retrostellung zur Verfügung.

Tipp

Daher ist es auch ganz wichtig, dass Objektiv auf Unendlich zu fokussieren, wenn Sie es in Retrostellung anbringen. Die Schärfe stellen Sie dann ohnehin über den Abstand zum Motiv, also mit der Einstellschiene des Balgens oder einem Makroschlitten ein.

In Frage kommende Objektive

Stellt sich jetzt die Frage, welche Objektive man für so etwas nimmt. Generell kommen alle Weitwinkel-Objektive in Frage. Sie müssen aber

  • Eine ausreichende Abbildungsleistung haben
  • Dürfen nicht zu dick sein, sonst können Sie den Balgen nur voll ausgezogen nutzen
  • Im optimalen Fall sollte es eine Festbrennweite sein, da die Abbildungsleistung hier besser ist.
  • Bei Nikon-Objektiven muss es zwingend ein Objektiv mit Blendenring sein.

 

Tipp: Blende ohne Blendenring einstellen

Verwenden Sie ein Objektiv ohne Blendenring, können Sie in Retrostellung natürlich nicht die Blende einstellen. Das liegt daran, dass diese dann ja nicht über die Kamera gesteuert werden kann weil eine Datenübertragung zwischen Kamera und Objektiv in Retrostellung nicht funktioniert.  Es gibt aber einen kleinen Trick, der immer funktioniert, wenn Ihre Kamera über eine Abblendtaste verfügt und das Objektiv an die Kamera passt (das muss ja nicht zwingend sein, wenn Sie es in Retrostellung nutzen möchten).  Sie gehen dazu wie folgt vor:

  • Schließen Sie das Objektiv richtig herum an und stellen Sie die gewünschte Blende an der Kamera ein.
  • Drücken Sie die Abblendtaste und halten Sie sie gedrückt, währen Sie das Objektiv abnehmen. Dadurch wird die Blende geöffnet und bleibt geöffnet.
  • Sie können das Objektiv nun in  Retrostellung anbringen und fotografieren.

Bei Objektiven ohne Blendenring besteht aber das Problem, dass Sie wie oben beschrieben nur recht umständlich die Blende einstellen können. Flexibel sind sie daher nicht. Außerdem ist durch das Abblenden das Sucherbild sehr dunkel, was das exakte Fokussieren sehr schwer macht. Besser ist daher, Sie verwenden Objektive mit Blendenring, denn dann können Sie die Schärfe bei offener Blende einstellen und erst vor dem Auslösen abblenden.

Hinweis: Besonderheit bei Nikon-Objektiven

Wenn Sie Nikon-Objektive (auch Sigma-Objektive für Nikon-Anschluss) verwenden, die keinen Blendenring haben, haben Sie ganz schlechte Karten, denn auch wenn Sie die Abblendtaste gedrückt halten, wenn sie die Blende eingestellt haben, wird die Blende auf den minimalen Wert geschlossen, wenn Sie das Objektiv abnehmen.  Um die Blende für die Aufnahme zu öffnen, müssen Sie am Kameraanschluss des Objektivs einen Metallstift verschieben und festhalten. Das ist natürlich umständlich, führt zu Verwacklungen und ungenauer Belichtung, wenn Sie während der Belichtung am Stift wackeln. Bei Nikon-Objektiven sollten Sie daher immer Objektive mit Blendenring nehmen.

Gute Erfahrungen habe ich persönlich mit folgenden Objektiven gemacht:

  • Nikkor 35mm AiS, F2,8(hat allerdings wohl bei harten Kontrasten CAs, die sich aber ertragen lassen)
  • Nikkor 28mm AF-D, F2,8
  • Nikkor 50mm AF-D F1,8
  • Zeiss Biotar 25mm für 8mm-Schmalfilmkamera (Am Balgen Maßstab bis 7:1)
  • Zeiss Biotar 12,5mm, für 8mm-Schmalfilmkamera (Am Balgen Maßstab bis 14:1).


Der Einsatz von Objektiven, die gar nicht für die Verwendung an Ihrer Kamera gedacht sind und für die es auch keine Adapter gibt, ist deshalb in Retrostellung möglich, weil Sie die Objektive ja nur mit dem Filtergewinde anschrauben bzw. mit der Vorderseite zur Kamera zeigend anbringen müssen. Der Anschluss muss nicht zum Bajonett der Kamera passen.

Problematisch bei exotischen Objektiven wie den Biotaren für 8mm Schmalfilmkameras ist jedoch, dass Sie über unpassende Filtergewinde verfügen. Sie haben einen so kleinen Durchmesser, dass es dafür keine Filter-Reduzierringe mehr gibt, die man auf den Retroring schrauben kann. Man muss für die Montage solcher Objektive also etwas Fantasie und handwerkliches Geschick haben. Beide haben überdies eine Naheinstellgrenze um die 2cm und sind damit in der Praxis nur sehr bedingt einsetzbar, auch wenn sie unter kontrollierten Studiobedingungen hervorragende Ergebnisse liefern.

Tipp:

Ich verwende zur Montage an der Nikon einen M42-Adapter mit Unendlich-Einstellung für Nikon, aus dem ich das Glas aus der Mitte herausgebrochen haben. Das Biotar befestigte ich dann am Balgen mit Hilfe von drei Haushaltsgummiringen. Klappt ganz gut.

Lupenobjektive

Alternativ erreichen Sie hohe Maßstäbe natürlich auch mit Lupenobjektiven. Die können Sie mittels RMS-Adapter für das Bajonett Ihrer Kamera bzw. des Balgens an den Balgen oder die Zwischenringe anschließen. Sie verfügen aber nicht über einen Fokussiering, sondern im Höchstfall über einen Blendenring. Es gibt aber auch Lupenobjektive ohne Blendenring. Sie verfügen dann nur über eine fixe Blende. Allerdings können Sie dann beim Einstellen der Blende auch nichts falsch machen.
Lupenobjektive mit RMS-Gewinde gibt es schon ab 30 EUR bei eBay. Die Preise überschreiten aber schon mal die 300 EUR-Grenze. Die Ergebnisse mit Lupenobjektiven sind in der Regel sehr gut.

Retrostellung und Makrolinse

Wenn Sie keinen Balgen und keine Zwischenringe haben, lassen sich große Abbildungsmaßstäbe auch mit Hilfe von Retroringen und achromatischen Makrolinsen erreichen. Meine Versuche haben ergeben, dass ein 28mm Objektiv in Retrostellung direkt an der Kamera, kombiniert mit einer Nahlinse von Raynox immerhin Abbildungsmaßstäbe bis 3,6:1 erreicht. Mit einem 20mm-Objektiv ist das sicherlich noch zu steigern. Damit Sie aber die Nahlinse auf die Rückseite des Objektivs aufschrauben oder klemmen können. Benötigen Sie zusätzlich einen Abschluss für das Objektiv. Sie bekommen solche Retro-Abschlussringe bspw. auf www.Traumflieger.de. Darauf schrauben Sie dann einen einfachen 52 oder 55mm-Filter, bspw. eine Skylight-Filter. Der schützt dann auch die Objektivrückseite vor Verschmutzungen und eindringende Insekten. Auf den Filter oder direkt auf den Abschlussring können Sie dann die Nahlinse aufschrauben oder bei Nahlinsen mit Universalklemmadapter von Raynox, den Adapter festklemmen.

Sinnvolle Blenden

Je größer der Maßstab, desto geringer natürlich die Schärfentiefe bei gleicher Blende. Diese lässt sich allerdings nicht bis unendlich ausdehnen, indem Sie einfach die Blende weiter schließen. Das wird allein durch zwei Eigenschaften verhindert:

  • Haben Sie keine Möglichkeit die Blende zu verstellen, bevor Sie auslösen, weil das Objektiv keinen Blendenring hat, oder sie ihn nicht verstellen können, weil Sie dann bspw. an Ihr Motiv stoßen würden, können Sie in der Regel ab Blende 6,7 bei gutem Licht nicht mehr scharf stellen, weil das Sucherbild zu dunkel ist.
  • Je größer der Maßstab, desto mehr wirkt sich die Beugungsunschärfe aus. Sie führt zu Unschärfe, auch wenn Sie exakt fokussiert haben.

In der Regel sollten Sie daher bei allen hier geschilderten Techniken maximal bis Blende 6,7 gehen. Bei Verwendung des Biotars 12,5mm ist sogar nur eine Blende von 4 praxistauglich. Das heißt also auch, dass der Schärfebereich sehr gering ist.

Fazit

Techniken gibt es eine ganze Menge. Wichtig ist nur, dass Sie sie richtig einsetzen. Neben der Wahl der richtigen Technik gibt es natürlich noch weitere Probleme, die zu lösen sind, wie die Beleuchtung, Vermeidung von Verwacklungsunschärfe und die korrekte Fokussierung. Darum wird es in einem weiteren Artikel zur Mikro- und Makrofotografie gehen.

<HS>

Rechtliche Rahmenbedingungen

Alle Inhalte wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Ich übernehme für Fehlerfreiheit allerdings keine Gewähr und hafte keinesfalls für Folgen, die sich aus Fehlern oder unsachgemäßem Gebrauch des Codes und der Inhalte ergeben.
Code und Beispiele dürfen für den privaten Gebrauch frei verwendet werden. Eine Veröffentlichung (auch auszugsweise) sowohl online wie auch auf klassischen Medien ist nur nach meiner ausdrücklichen Zustimmung möglich. Verlinkung der Artikel ist jedoch erlaubt und erwünscht, solange immer auf die Webseite und nicht die PDF-Datei verlinkt wird.

Makrofotografie mit Balgen und Zwischenringen – Teil 1

Autor: Helma Spona

Betrifft: Fotografie

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Makrofotografie ist ein höchst interessanter Bereich der Fotografie. Wer einmal damit begonnen hat, verfällt in eine Art Sucht. Kleines muss immer größer aufs Bild. Leider ist die Technik hier begrenzt. Große Abbildungsmaßstäbe lassen sich aber bspw. mit Balgen und/oder Zwischenringen erreichen.

Der Abbildungsmaßstab gibt an, wie groß ein Objekt auf dem Negativ bzw. dem Sensor der Kamera dargestellt wird. Eine Angabe von 2:1 bedeutet, dass das Motiv doppelt so groß auf dem Sensor abgebildet ist, wie es groß ist. Es gibt viele Methoden hohe Abbildungsmaßstäbe zu erreichen. Die meisten Makroobjektive erreichen maximal 1:1: Alles was darüber hinausgehen soll, erfordert zusätzlichen technischen Aufwand. Eine gute Möglichkeit ist die Erhöhung des Abbildungsmaßstabes durch Auszugverlängerung.

Abbildungsmaßstab durch Auszugsverlängerung erhöhen

Der klassische Weg in die Makrofotografie sind Balgen und Zwischenringe. In beiden Fällen erfolgt die Vergrößerung, durch Auszugverlängerung. Bemerkenswert dabei ist, je kleiner die Brennweite die man mit Balgen oder Zwischenringen verwendet, desto größer ist der Abbildungsmaßstab, den man erreichen kann. Allerdings hat das ganze zwei Haken:

  • Bei zu kleiner Brennweite (im Verhältnis zur Länge der Zwischenringe bzw. des Balgens) kann man nicht mehr scharfstellen, weil dann der Schärfebereich hinter der Frontlinse liegt.
  • Je kleiner die Brennweite, desto kleiner ist der Abstand zum Motiv und desto geringer ist die Tiefenschärfe.

Bei meiner Kombination aus voll ausgezogenem Balgen mit 50mm Objektiv betrug der Motivabstand ca. 5cm, beim 60mm-Objektiv und ca. 6cm Bei dem Versuch mit dem 17-35mm Weitwinkel an Zwischenringen scharf zu stellen, musste ich feststellen, dass bei nicht ganz so langen Zwischenringen wie der Balgen lang ist, schon bei ca. 33mm Schluss war. Bei 33mm lag der Schärfepunkt genau auf der Frontlinse, scharfstellen ging also noch, eine Beleuchtung funktioniert dann natürlich nur bei transparenten Motiven von hinten. Bei allen Brennweiten die kleiner sind, lag der Schärfepunkt wohl hinter der Frontlinse.

Die zu verwendenden Objektive

Immer wieder ist zu lesen, dass für Nahaufnahmen Objektive verwendet werden sollen, die für den Nahbereich berechnet und konzipiert sind, also Makro- oder Lupenobjektive oder Vergrößerungsobjektive für Labor-Vergrößerer. Das kann ich so nicht generell bestätigen. Das folgende Bild zeigt Aufnahmen am voll ausgezogenen Balgen bei der maximalen Blende des verwendeten Objektivs, links das Nikkor 50mm f/1,8, rechts ein Schneider-Kreuznach Vergrößerungsobjektiv Componon 60mm. Als Motiv diente ein Mikrofaser Geschirrhandtuch.

Der größere Abbildungsmaßstab links durch die kleinere Brennweite lässt sich gut erkennen, eine schwächere Abbildungsleistung ist nur am äußersten Rand zu erkennen die mit Sicherheit bei der Masse der Motive nicht mal auffällt. Selbst bei meinem Weitwinkel Sigma EX 17-35mm DG an der EOS 400D und einem 7cm-Zwischenringset, war ich positiv von der Abbildungsleistung überrascht.

Lediglich im Randbereich wird es unscharf, aber dennoch bin ich erstaunt, wie gut die Schärfe in der Bildmitte ist, dafür dass das Objektiv in 35mm-Stellung nur 2mm vom Motiv entfernt und daher eine Belichtung von 25 Sekunden notwendig war. Und ich denke, für ein Zoom-Objektiv, das ohnehin ja eine schlechtere Abbildungsleistung als eine gute Festbrennweite hat, kann man damit gut zufrieden sein.

HINWEIS:

Der geringere Abbildungsmaßstab kommt daher, dass die Zwischenringe weniger lang als der voll ausgezogene Balgen ist.

Erzielbare Abbildungsmaßstäbe

Welcher Abbildungsmaßstab sich erzielen lässt, hängt davon ab, welche Brennweite verwendet wird. Nach meinen Berechnungen ergibt das 50mm-Objektiv an der Nikon D300 einen Maßstab von 2,5:1 und das 60mm-Objektiv einen Maßstab von 2:1. Bei einem Objektiv mit 44mm Brennweite dürfte daher mit einen Maßstab von annähernd 3:1 zu rechnen sein. Weiteres folgt etwas später in der Fortsetzung dieses Beitrags.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Alle Inhalte wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Ich übernehme für Fehlerfreiheit allerdings keine Gewähr und hafte keinesfalls für Folgen, die sich aus Fehlern oder unsachgemäßem Gebrauch des Codes und der Inhalte ergeben.
Code und Beispiele dürfen für den privaten Gebrauch frei verwendet werden. Eine Veröffentlichung (auch auszugsweise) sowohl online wie auch auf klassischen Medien ist nur nach meiner ausdrücklichen Zustimmung möglich. Verlinkung der Artikel ist jedoch erlaubt und erwünscht, solange immer auf die Webseite und nicht die PDF-Datei verlinkt wird.

Rechtliche Rahmenbedingungen der Stockfotografie

Autor: Helma Spona
Betrifft: Digitalfotografie

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HINWEIS:

Nachfolgende Ausführungen sollen Sie nur auf die rechtlichen Problemfelder aufmerksam machen und Ihnen helfen die Augen offen zu halten und nicht in das nächste Fettnäpfchen zu treten. Bei konkreten Fragen sollten Sie sich an einen fachkundigen Anwalt wenden. Auch in verschiedenen Fotocommunities können Sie sich darüber austauschen, auch wenn Sie eine gültige und sachlich fundierte Beratung natürlich nur von einem entsprechenden Fachanwalt erwarten dürfen.

Fotografieren dürfen Sie zwar fast alles, ausgenommen sind hier vor allem militärische Anlagen und Flugzeuge von denen keine Fotos erlaubt sind. Ansonsten steht es Ihnen aber frei so ziemlich alles zu fotografieren. Aber da endet Ihre Freiheit auch schon. Was Sie mit den Bildern dann machen dürfen, ist eine ganz andere Sache.

Was darf man fotografieren und verkaufen?

Nicht jedes Bild, das Sie machen durften, dürfen  Sie auch kommerziell verwenden. Problematisch sind hier vor allem Bilder auf die eine oder mehrere der folgenden Bedingungen zutreffen.

  • Das Bild zeigt Personen, die erkennbar sind.
  • Das Bild zeigt Innenaufnahmen von Gebäuden.
  • Das Bild zeigt erkennbare Markennamen, Objekte oder Gebäude deren Design oder Architektur geschützt ist.
  • Das Bild zeigt Außenaufnahmen, die aber nicht von öffentlich zugänglichen Straßen und Wegen gemacht wurden.
  • Das Bild zeigt Kunstwerke oder andere anderweitig geschützte Objekte und Gebäude.

In allen diesen Situationen sind Rechte anderer Personen berührt, die im Zweifel vorgehen.

Rechtliche Grenzen der Vermarktung

HINWEIS

Aus diesem Grund achten auch die Redaktionen der Bildagenturen verstärkt darauf, dass die Bilder keine Rechte anderer verletzen. Es gibt einige Gebäude, deren Architektur geschützt ist, bspw. die Allianz-Arena in München oder auch der beleuchtete nächtliche Eifelturm, dessen Beleuchtung als nicht bleibendes Kunstwerk geschützt ist. Bilder mit diesen Motiven werden von vielen Agenturen nicht angenommen und aus rechtlichen Gründen abgelehnt. Ärgern Sie sich über solche Ablehnungen nicht. Seien Sie dankbar, dass die Agenturen Sie und natürlich. auch sich vor rechtlichen Konsequenzen schützen.

Grenzen gibt es also überall da, wo die Veröffentlichung Rechte anderer verletzt. Aber auch der Vertrag, den Sie mit den Bildagenturen schließen und wenn es nur die Zustimmung zu deren AGBs (Allgemeine Geschäftsbedingungen ) ist, kann die Möglichkeiten der Vermarktung einschränken.

Denken Sie immer daran, der Bildermarkt ist international. Selbst wenn es hier noch rechtens ist ein Foto zu veröffentlichen und zu verkaufen, kann es sein, dass dies in anderen Ländern nicht mehr rechtmäßig ist. Auch dann drohen Ihnen gegebenenfalls rechtliche Konsequenzen.

Persönlichkeitsrechte

Persönlichkeitsrechte berühren ein Foto immer dann, wenn auf ihm Personen zu sehen sind, die sich wiedererkennen können.
In fast allen Ländern hat aber jede Person das Recht selbst zu bestimmen, was mit Fotos geschieht, auf denen sie abgebildet ist. Sie dürfen daher solche Fotos nicht ohne Erlaubnis aller erkennbaren Personen veröffentlichen.

Eigentumsrechte

HINWEIS

Es gibt von dieser Regel aber eine Ausnahme. Bei Personen des öffentlichen Lebens, die mehr als nur regionale Bekanntheit haben, brauchen Sie keine Erlaubnis, vorausgesetzt Sie verletzen nicht bei der Aufnahme schon deren Privatsphäre, bspw., indem Sie sie im Urlaub außerhalb on öffentlichen Anlässen fotografieren. Fotos von Prominenten, die bspw. bei deren öffentlichen Auftritten entstanden sind, dürfen für die redaktionelle Verwendung angeboten werden, nicht aber für die Verwendung in der Werbung. Diese Bilder nehmen die Agenturen in der Regel auch ausschließlich für die redaktionelle Verwendung an.

Eigentumsrechte sind in vielen Bereichen berührt, also wenn Sie schon ein Privatgrundstück für eine Aufnahme betreten, oder wenn Sie gar innerhalb von Gebäuden fotografieren. Es gibt sogar Länder, in denen Haustieren, die als Haustiere und nicht als Nutztiere gehalten werden, etwas Ähnliches wie Persönlichkeitsrechte zugesprochen werden. In diesen Ländern müssen Sie auch die Erlaubnis des Hundehalters haben, wenn Sie ein Bild von dessen Hund verkaufen möchten. Mir ist aktuell aber nur eine Bildagentur bekannt, die das verlangt.

Im Allgemeinen gilt, dass Fotos von Privaträumen, Privatgrundstücken etc. nur verkauft werden dürfen, wenn der Eigentümer zustimmt.

HINWEIS

Problematisch ist hierbei, dass das Verbot die Fotos kommerziell zu verwerten oft nicht aus Aushängen etc. hervorgeht. Auch wenn bspw. in einem Zoo ein Schild hängt „Fotografieren erlaubt“, heißt das noch nicht, dass Sie diese Fotos kommerziell nutzen dürfen. Im Zweifel sollten Sie bei Museen, in Schlössern und Burgen, in Zoos und Tierparks vorsichtshalber nachfragen und sich die Erlaubnis gegebenenfalls schriftlich mit einem Property-Release-Vertrag bestätigen lassen.

Marken- und Urheberrechte und andere gewerbliche Schutzrechte



Marken und Urheberrechte, sowie Geschmacksmusterschutz können Sie in aller Regel nicht dadurch verletzen, dass Sie ein Bild davon machen, wohl aber, wenn Sie es kommerziell verwerten oder wenn es in der Werbung für Zwecke eingesetzt wird, die dem Markenimage schaden. Dazu ein Beispiel. Wenn Sie ein Foto haben, auf dem dick und fett das Windows-Logo sichtbar ist, weil bspw. auf dem Laptop-Bildschirm der Startbildschirm von Windows XP zu sehen ist. Dann ist das Foto allein nicht das Problem. Wenn aber ein Kunde das Foto erwirbt, es eventuell verfremdet und damit für Mac- oder Unix-Systeme wirbt, könnte Microsoft böse werden. Das Problem ist, Sie haben damit zwar die Markenrechte nicht verletzt, aber in den AGBs der meisten Bildagenturen wird den Kunden zugesichert, dass die Bilder frei von Rechten Dritter sind, das sie also auch für Werbezwecke verwendet werden können. Der Kunde kann im Zweifelsfall die Agentur in Regress nehmen und die wiederum Sie, weil Sie mit dem Upload den AGBs der Agentur zugestimmt haben und dort in aller Regel drin steht, dass Sie überhaupt nur Bilder hochladen dürfen, die frei von Rechten Dritter sind. Das ist das eigentliche Problem. Desweiteren ist es natürlich so, dass das Windows-Logo vielleicht nicht als Marke aber als Geschmacksmuster geschützt ist und dann würde schon das Foto selbst unabhängig von dessen Verwendung und Manipulation den Geschmacksmusterschutz verletzen.

Auch Fotografien von Objekten, deren Design geschützt ist, dürfen Sie nicht ohne Zustimmung des Rechteinhabers kommerziell verwerten. Dazu gehört bspw. der Triebwaagen des ICE, sowie einige Geschirrserien von Villeroy & Boch, was sicherlich für die Food-Fotografie von Bedeutung ist, aber auch zahlreiche Alltagsgegenstände, denen man das leider nicht ansieht.

Ähnliches wie für die Verletzung von Marken- und ähnlichen Schutzrechten gilt auch für die Verletzung von Urheberrechten. Dies kommt dann in Betracht, wenn Sie Gebäude und Kunstwerke fotografiert haben, deren Architektur als Kunstwerk geschützt ist. Bei exotischen Gebäuden und Gebäuden, die zeitweilig beleuchtet werden, sollten Sie daher vorsichtig sein.

Die rechtliche Grauzone

Einige Firmen, Vereine und Behörden legen die bestehenden Gesetze recht merkwürdig aus. Bspw. ist die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung, die unter anderem den Englischen Garten in München und das Schloss Neuschwanstein verwaltet, der Meinung, dass Fotografien von beiden Objekten nicht kommerziell verwertet werden dürfen. Und das, obwohl der englische Garten ein öffentlicher Park ist, der aus Steuermitteln finanziert wird und sich das Schloss Neuschwanstein auch von öffentlichem Grund aus fotografieren lässt und somit die Panoramafreiheit gelten müsste.

Ob das rechtlich zulässig ist, muss wohl erst ein entsprechendes höchstrichterliches Urteil bestimmen. Solange bewegen Sie sich in einer rechtlichen Grauzone, wenn Sie solche Bilder über Bildagenturen vertreiben. Sie sollten da also sehr vorsichtig sein.

Was hat es mit Property- und Modell-Release auf sich?

HINWEIS

Alle mir bekannten Agenturen, die mit PR und MR arbeiten, bieten auch entsprechende Muster zum Download an. Nicht bei allen Agenturen müssen Sie die Verträge aber mit den Bildern hochladen. Im Streitfall müssen Sie diese dann nur nachweisen können.

Immer dann, wenn der Vertrieb von Bildern nur mit Einwilligung einer anderen Person möglich ist, benötigen Sie eine schriftliche Erlaubnis, damit die Bildagenturen die Bilder annehmen.

  • Betrifft das Bild Eigentums-, Urheber und Markenrechte, benötigen Sie ein sogenanntes „Property-Release“ oft auch als „PR“ bezeichnet.
  • Bei Verletzung von Persönlichkeitsrechten benötigen Sie ein so genanntes Modell-Release , „MR“ genannt.

Die Tatsache, dass Sie für Personenfotos ein Modell-Release benötigen ist der Grund, warum People-Bilder bei den Bildagenturen so gefragt sind. Die meisten Modells aus der privaten Umgebung der Hobby-Fotografen, die auf den Bildern zu sehen sind, wie Kinder, Eltern, Geschwister und Ehepartner sind nicht bereit ein MR zu unterschreiben, weil bei Stock-Fotos natürlich keine Kontrolle darüber besteht für was die Fotos eingesetzt werden. Es könnte ja sein, dass das Bild auf Plakatwände gedruckt und im ganzen Land verteilt wird und dann für ein Produkt wirbt, mit dem sich die Person nicht identifizieren kann.

Professionelle Modells sind aber für den typischen Hobby-Fotografen zu teuer, dann lohnt das Ganze nicht mehr. Daher fallen vielfach die People-Motive die in Bildagenturen zu finden sind, bei Mode- und anderen Auftragsarbeiten ab, die dann zusätzlich über die Bildagenturen vertrieben werden.

In solchen Fällen lohnt es sich auf professionelle Modells zurückzugreifen und das ist auch der Grund, warum viele People-Bilder Menschen zeigen, die überdurchschnittlich gut aussehen. Es ist nicht so, dass nur solche Bilder gesucht werden. Immer wieder fragen Kunden auch Bilder bei den Agenturen an, bei denen ausdrücklich Menschen gewünscht werden, die „normal“ aussehen, wie die Frau oder der Mann von der Straße.

Einnahmen versteuern?

Tipp

Für den Fall, dass das Finanzamt aus welchen Gründen auch immer schon auf Sie aufmerksam wird, bevor Sie sich beim Finanzamt gemeldet haben, sollten Sie jederzeit belegen können, dass Sie „noch“ keine nennenswerten Gewinne erwirtschaften. Heben Sie daher alle Rechnungen Ihres Providers, alle Rechnungen von Objektiven, Kamera etc. auf, damit Sie jederzeit die Kosten den Einnahmen gegenüberstellen können. Wenn die Einnahmen dann steigen, sollten Sie rechtzeitig einen Steuerberater aufsuchen und sich beraten lassen.

Und eine „gute“ Nachricht zum Abschluss. Natürlich müssen Sie eigentlich auch Ihre Einnahmen aus den Bildern versteuern. Solange sich Ihre Bildverkäufe aber gerade am Anfang noch in dem Bereich bewegen, wo die auflaufenden Kosten nicht wesentlich überschritten werden ist das natürlich kein Problem. Wo nichts übrig bleibt ist auch nichts zu versteuern und das Finanzamt wird dies als „Liebhaberei“ verbuchen. Aber das Blatt kann sich schnell wenden und wenn Ihre Verkäufe mehr werden, sollten Sie darauf vorbereitet sein.

Ihre Rechte als Fotograf – das Urheberrecht

Es gibt aber nicht nur Rechte Anderer, die Sie beachten müssen, natürlich haben Sie auch als Fotograf Rechte, die gesetzlich geschützt sind. Jedes Bild, das eine gewissen Schöpfungshöhe erreicht, ist ein geistige Schöpfung und damit urheberrechtlich geschützt. Ob ein Bild als Schnappschuss gilt oder die erforderliche Schöpfungshöhe erreicht, hängt natürlich davon ab, wie gut das Bild ist. Dazu zählt aber nicht nur die technische Umsetzung, sondern auch die Idee. Als Leitfaden kann folgendes dienen:

  • Machen Sie ein Bild nach bestimmten Vorgaben und sind diese Vorgaben so eng, dass 10 Fotografen mit den gleichen Vorgaben auch zum gleichen Ergebnis kämen, ist das Bild sicherlich nicht als Kunstwerk anzusehen.
  • Kommen die 10 Fotografen aber zu unterschiedlichen Ergebnissen, ist jedes Bild ein individuelles geistiges Werk und damit geschützt.

ACHTUNG

Sie können Ihr Urheberrecht nicht abtreten, es erlischt auch erst 70 Jahre nach Ihrem Tod. Das Recht an den Bildern geht also auch auf Ihre Erben über. Wenn Sie also irgendwo lesen, dass Sie das Urheberrecht abtreten oder übertragen sollen, ist dies faktisch gar nicht möglich. Das einzige, was Sie übertragen können, sind die Verwertungsrechte des Bildes.

Aber wie gesagt, dass ist nur eine Leitlinie zur Orientierung. Im Streitfall muss sowas immer ein Gericht klären.

Ist ein Bild urheberrechtlich geschützt, liegt das Urheberrecht des Bildes bei Ihnen. Als Urheber können Sie bestimmen

  • wer das Bild für welche Zwecke verwendet
  • zu welchem Preis Sie die Verwendung des Bildes gestatten möchten

halten sich die Nutzer des Bildes nicht an Ihre Regeln können Sie Schadensersatz aus Urheberrechtsverletzungen geltend machen. In der Regel werden Sie damit vor Gericht Recht bekommen, wenn Sie die unrechtmäßige Verwendung des Bildmaterials nachweisen können.
In aller Regel übertragen Sie die Verwertungsrechte exklusiv oder nichtexklusiv an einen oder mehrere Kunden. Das kann eine Bildagentur oder ein Käufer sein, der ein Bild direkt bei Ihnen erwirbt.

HINWEIS

Bei einigen Agenturen können Sie die Preise frei oder in einem gewissen Rahmen selbst festlegen. Bei den meisten anderen, bestimmt die Agentur die Preise. Dabei macht es einen Unterschied zu welchen Lizenzbedingungen die Bilder vertrieben werden. Es gilt hier zwischen RF-Bildern (Royalty-Free) und RM-Bilder (Rights-Managed) zu unterscheiden, sowohl im Preis als auch bei den Rechten des Fotografen.

Wenn Sie Bilder über Bildagenturen vertreiben, sehen die Agenturverträge oder AGBs der Bildagenturen in der Regel vor, dass Sie der Bildagentur das Recht einräumen den Bildkäufern die Verwertungsrechte am Bild zu übertragen. Die Bildagenturen fungieren also wie ein Makler nur als Vermittler zwischen Ihnen als Urheber und den Kunden als Bildnutzer. In dem Moment in dem Sie sich mit den Preisen und AGBs der Bildagenturen einverstanden erklären, verzichten Sie damit auf die Bestimmung des Verkaufspreises.

HINWEIS

Bevor Sie also dem Käufer eines Bildes mit dem Anwalt drohen, machen Sie sich bei der verkaufenden Bildagentur schlau!

Das Urheberecht gibt dem Urheber das Recht bei Veröffentlichung seiner Werke als Urheber genannt zu werden. Das würde bedeuten, dass jeder Werbetreibende das Bild mit dem Namen des Urhebers kennzeichnen müsste. Das ist in der Werbung und damit verbunden bei Royalty-Free-Bildern nicht üblich. Viele Agenturen haben daher in ihren AGBs eine Klausel stehen, die Ihnen das Recht auf Namensnennung nur dann zusichert, wenn dies branchenüblich ist.

Sollten Sie feststellen, dass jemand Ihre Bilder unrechtmäßig nutzt, bspw. weil er das Bild nicht gekauft hat, sondern von einer Webseite einer Bildagentur geklaut und das Wasserzeichen wegretuschiert hat, können Sie Schadenersatz geltend machten.

Sollte es zu einer Urheberrechtsverletzung kommen, sollten Sie auch Ihre Rechte durchsetzen. Zum einen schreckt es den Verletzer ab, das wieder zu tun, zudem sind die Schadenersatzsummen oft höher als der Verkaufserlös bei normalen Verkäufen, weshalb es sich natürlich auch finanziell lohnt.

Geschmacksmusterschutz und die rechtlichen Folgen

Gerade für Fotografen, die sich vornehmlich der Produktfotografie widmen, ist der Geschmacksmusterschutz der wichtigste Teil des gewerblichen Rechtschutzes. Er schützt die ästhetische Gestaltung eines Produktes vor Nachahmung. Früher war es so, dass dabei galt, dass eine dreidimensionale Gestaltung nicht durch ein zweidimensionales Bild nachgeahmt werden kann. Das hatte für Fotografen den schönen Effekt, dass sie mit einem Foto fast nie ein Geschmacksmuster verletzen konnten. Es war lediglich notwendig Markennamen zu retuschieren, um nicht gegen das Markenrecht zu verstoßen. Leider ist das seit 1988 anders.

Entstehung des Geschmacksmusters

Das Geschmacksmusterrecht entsteht durch Eintragung bei einem nationalen oder internationalen Verzeichnis. Für Deutschland ist es das Deutsche Patent- und Markenamt in München (dpma). In Europa kann ein Geschmacksmuster zentral bei einer Stelle in Spanien eingetragen werden und gilt dann für alle EU-Staaten.

TIPP

EU-Geschmacksmuster lassen sich über die URL http://oami.europa.eu/RCDOnline/RequestManager abrufen, deutsche über http://www.dpma.de/suche/rech_1.html.Wenn beide Stellen keine Ergebnisse liefern, muss das aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass das Design nicht geschützt ist, es könnte außerhalb der EU oder in einem anderen Land angemeldet sein.

Damit ein Design oder eine Gestaltung rechtlich durch ein Geschmacksmuster geschützt werden kann, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein. Das Design muss neu sein und es muss eine gewisse Eigenart haben. Das heißt informierte Verbraucher müssen die Andersartigkeit gegenüber der herkömmlichen Gestaltung erkennen können.

Diese Voraussetzungen werden jedoch vor der Eintragung nicht durch die eintragende Stelle geprüft. Bei einem Rechtstreit besteht hier daher die Möglichkeit die Gültigkeit des Geschmacksmusters anzufechten.

Auch wenn Neuheit ein Teil der Vorraussetzungen ist, heißt es nicht, dass  ein Geschmacksmuster angemeldet werden muss, bevor das Produkt auf den Markt kommt. Der Hersteller hat 1 Jahr Zeit, das Geschmacksmuster anzumelden.  Das kann bedeuten, dass bei neuen Produkten die Online-Recherche kein Ergebnis bringt, Sie denken, das Design ist nicht geschützt und 1 Jahr später kriegen Sie dennoch Post vom Rechtsanwalt.

Verletzung eines Geschmacksmusters

Ein Geschmacksmuster kann seit der Novelle des Geschmacksmusterrechts in 1988 und nochmals in 2001, jetzt auch dadurch verletzt werden, dass Sie ein Foto von dem geschützten Produkt machen und dieses kommerziell verwerten.

Die Rechtsprechung sieht es jedoch als zulässig an, dass solche Abbildungen in geringen Mengen (keinesfalls in Form einer Bildergalerie) im redaktionellen Umfeld verwendet werden. Berichtet bspw. eine Fachzeitschrift über eine Neuerung mit einem geschützten Design, darf dazu im Bericht natürlich auch ein Bild davon abgebildet werden.

Anders sieht es für die werbliche und nicht-redaktionelle Nutzung aus. Hier stellt jede Veröffentlichung des Bildes eine Verletzung des Geschmacksmusters dar und begründet einen Unterlassungsanspruch des Rechteinhabers.

Folgen der Rechteverletzung

Verletzen Sie ein Geschmacksmuster kann es passieren, dass Sie Schaden­ersatzpflichtig sind oder im besten Fall erst einmal mal eine strafbewehrte Unterlassungserklärung (Abmahnung) abgeben müssen, die natürlich auch Kosten mit sich bringt, nämlich Anwaltskosten.  Als Fotograf kommt für Sie noch das Problem hinzu, das  zunächst der Bildkäufer die Abmahnung bekommt und diese Kosten von Ihnen zurückhaben will. Sie tragen in diesem Fall also die Kosten für den Rechteinhaber, den Kunden und Ihre eigenen. Das kann schnell teuer werden.

Vorgehensweise

Damit Sie weitgehend vor solchen Folgen geschützt sind, sollten Sie sich angewöhnen, alle Bilder die Produkte zeigen, die weniger als 20 Jahre alt sind und eindeutig einem Hersteller zuzuordnen sind, vorher vom Hersteller genehmigen lassen. Fragen Sie einfach per E-Mail beim Hersteller an, ob Sie Bilder mit deren Produkten kommerziell vertreiben dürfen. Einige wollen sicherlich ein paar Beispiele sehen. Auch die können Sie dann ja per Mail bspw. als PDF-Datei senden. Mit dem OK vom Hersteller kann Ihnen dann nicht viel passieren. Formulieren Sie Ihre Anfrage aber so, dass klar ist, dass die Bilder nur Beispiele sind. Sonst könnte es passieren, dass Sie sich doch noch Ärger einhandeln, wenn der Kunde das Bild verändert verwendet.

Haben Sie das OK vom Hersteller, heben Sie die E-Mail gut auf, am besten als PDF und als Ausdruck. Dann können Sie im Zweifel immer belegen, dass der Hersteller mit der kommerziellen Verwendung einverstanden war. Wenn Sie kein OK bekommen, löschen Sie die Bilder!

Versicherungen gegen das Restrisiko

Ein Restrisiko wird immer bleiben, sei es, dass Sie die „Erkennbarkeit“ eines Herstellers falsch beurteilen oder einfach etwas übersehen. Mittlerweile gibt es für solche Fälle zwei Arten von Versicherungen:

  • Rechtschutzversicherungen
  • Vermögensschaden-Haftpflichtversicherungen

Die RS-Versicherung deckt die Kosten ab, die bspw. für Anwälte und Gerichtsverfahren anfallen. Wichtig ist, dass es eine gewerbliche Rechtschutzversicherung für Freiberufler ist, darunter fallen auch Fotografen und Journalisten. Für diese Berufsgruppen sind in den Rechtschutzversicherungen auch Streitigkeiten bezüglich Urheber-, Marken und Geschmacksmusterrecht enthalten.  Darauf sollten Sie unbedingt achten.

Die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung tritt für Schadenersatzzahlungen ein, zu denen Sie verurteilt werden. Achten Sie hier genau auf die Versicherungsbedingungen. Manche zahlen nicht, wenn Vergleiche geschlossen werden. Das müssen Sie natürlich vorab klären, im Fall der Fälle.

Wer nicht nur mal ein Blumen- oder Schmetterlingsbild verkaufen will, sondern professionelle Produktfotos vermarkten will, solle sich entsprechend versichern. Es lässt einen viel ruhiger schlafen.

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Nachtrag

Auf der Suche nach einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung bin ich derzeit noch nicht fündig geworden. Die Versprechungen verschiedener Anbieter haben sich als haltlos erwiesen. Ich suche weiter.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Alle Inhalte wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Ich übernehme für Fehlerfreiheit allerdings keine Gewähr und hafte keinesfalls für Folgen, die sich aus Fehlern oder unsachgemäßem Gebrauch des Codes und der Inhalte ergeben.
Code und Beispiele dürfen für den privaten Gebrauch frei verwendet werden. Eine Veröffentlichung (auch auszugsweise) sowohl online wie auch auf klassischen Medien ist nur nach meiner ausdrücklichen Zustimmung möglich. Verlinkung der Artikel ist jedoch erlaubt und erwünscht, solange immer auf die Webseite und nicht die PDF-Datei verlinkt wird.

Making-of: Klare Gemüse bzw. Lauch-Suppe

Autor: Helma Spona

Betrifft: Fotografie/Food-Styling

Notwendige Objekte: weiße Gelantine, Suppeneinlagen, bspw. Gemüse wie Porree, Zwiebeln, Möhren, Nudeln, Lebensmittelfarbe oder schwarzer Tee, Eiswürfel

Klare Suppen, bspw. Gemüsesuppen oder Fleischbrühen zu fotografieren ist nicht so ganz einfach, denn einerseits sollen die Einlagen gut zu sehen sein, andererseits ist es nicht sinnvoll so viele Einlagen übereinander zu stapeln, dass die nicht untergehen, denn dann sieht das ganze nicht mehr nach Suppe aus. Wie es dennoch geht, zeigt Ihnen dieser Beitrag.

Vorbereitungen

Beginnen sollen Sie mit der Grundlage für die Suppe. Dies sollte eine klare Flüssigkeit sein, zumindest so aussehen, aber natürlich abhängig von der Art der Suppe einen bräunliche bis gelbliche Färbung haben. Außerdem müssen Sie sicherstellen, dass die Suppeneinlagen nicht ganz bis auf den Boden sinken, sondern zumindest teilweile über den Flüssigkeitsspiegel herausragen.

Suppengrundlage herstellen

Dazu müssen Sie als unterstes in den Teller eine Lage aus fester Suppenflüssigkeit füllen. Dazu brauchen Sie die Gelantine. Gehen Sie dazu wie folgt vor:

  1. Stellen Sie zunächst die Flüssigkeit für die Suppe her, in der gewünschten Farbe. Dazu nehmen Sie einfach kaltes Wasser und färben das mit Lebensmittelfarbe im gewünschten Farton. Im Beispiel wurde die Farbe durch Mischen mit schwarzem Tee erreicht. Sie brauchen für einen Teller ca. einen Liter Flüssigkeit.
  2. Weichen Sie die Blattgelantine nun in kaltem Wasser nach Packungsanweisung ein. Verwenden Sie die Menge, die gemäß Packung für 0,5 Liter benötigt wird.
  3. Geben Sie die aufgeweichte, und ausgedrückte Gelantine nun in einen Topf und stellen Sie ihn bei geringer Hitze auf den Herd. Rühren Sie die Gelantine um, bis sich diese aufgelöst hat.
  4. Geben Sie nun die Hälfte der Suppenflüssigkeit in den Topf und rühren Sie Flüssigkeit und Gelantine gut durch.
  5. Füllen Sie die Flüssigkeit jetzt in einen Suppenteller, bis zu 2/3 der gewünschten Füllhöhe und stellen Sie den Teller in den Kühlschrank. Die Flüssigkeit muss sich nun verfestigen.

In der Zwischenzeit können Sie sich mit den Suppeneinlagen befassen.

Suppeneinlagen vorbereiten

Als nächstes sollten Sie alle Suppeneinlagen vorbereiten, vor allem, wenn Sie diese noch kochen müssen, wie bspw. Nudeln.

  1. Falls Sie Nudeln oder Reis als Einlage für die Suppe verwenden möchten, kochen Sie sie nun wie gewohnt. Beides sollte aber nicht ganz gar gekocht werden, sonst wirkt es schnell matschig.
  2. Nudeln schrecken Sie am Ende mit kaltem Wasser ab und legen sie in eine Schüssel oder einen Teller mit Öl. Dadurch trocknen die Nudeln nicht an, glänzen später schön und kleben nicht aneinander.
  3. Reis stellen Sie an die Seite, damit er abkühlen kann.

  1. Gemüse schneiden Sie in die gewünschte Form, wie Ringe oder Streifen. Achten Sie darauf, dunkle Stellen am Gemüse vorher  zu entfernen. Das Gemüse sollte wirklich perfekt aussehen.

  1. Damit das Gemüse nicht roh aussieht, sollten Sie es kochen. Das birgt aber die Gefahr, dass es grau und unansehnlich wird. Um das zu vermeiden, kochen Sie das Gemüse nur einmal kurz auf und schrecken es dann in kaltem Wasser ab.
  2. Stellen Sie dazu eine Schüssel mit kaltem Wasser bereit und geben Sie dort Eiswürfel rein, damit das Wasser richtig kalt wird.
  3. Kochen Sie das Gemüse kurz auf, indem Sie das Wasser zum Kochen bringen und das Gemüse erst dann in das kochende Wasser geben. Möhren vertragen etwas mehr Kochzeit als bspw. Lauch oder Zwiebel. In der Regel reicht eine knappe Minute Kochzeit. Nehmen Sie das Gemüse mit einem Schaumlöffel vorsichtig aus dem kochenden Wasser lassen Sie es kurz abtropfen und geben Sie es in die Schüssel mit dem Eiswasser. Dort können Sie es auch gut lagern, bis Sie es benötigen.

Die Suppe anrichten

Wenn die Gelantine im Teller gut fest ist, können Sie wie folgt fortfahren.

  1. Nehmen Sie den Teller aus dem Kühlschrank und setzen Sie ihn an Ort- und Stelle dorthin, wo Sie das Foto machen möchten.
  2. Warten Sie ein paar Minuten ab. In der Regel werden sich Kondensat-Tropfen auf dem Teller bilden. Wischen diese weg, ohne Streifen zu verursachen und warten Sie, bis sich keine neuen mehr bilden.
  3. Füllen Sie nun den Rest der Suppenflüssigkeit in den Teller, bis Sie knapp die gewünschte Füllhöhe erreichen. Der Rest kommt ja durch die einzufüllenden Suppeneinlagen.
  4. Geben Sie nun die Nudeln, Gemüsestreifen, und -ringe in die Suppe. Verteilen Sie diese möglichst zufällig aber gleichmäßig und farblich ansprechend, wenn die Zutaten verschiedene Farben haben. Achten Sie dabei darauf, dass einige Einlagen auch über die Oberfläche der Flüssigkeit hinausragen.
  5. Sprühen Sie nun, bspw. mit einem Ölsprüher etwas Öl auf die Oberfläche der Suppe, damit sich dort feine Fettaugen bilden. Sie bilden einen interessanten Blickfang auf der Oberfläche und sind zudem auf fast alle echten Suppen auch vorhanden.
  6. Und fertig ist Ihre Suppe.

Jetzt können Sie die Szene natürlich noch mit weiteren Deko-Artikeln wie Servietten, Platzsets oder Besteck aufwerten, ganz nach belieben.

Achtung

Wenn es sehr warm in der Umgebung des Tellers ist, sollten Sie sich mit dem Fotografieren aber nicht sehr viel Zeit lassen. Wärme und die Flüssigkeit auf der Gelantine können dazu führen, dass sich diese auflöst und am Rand des Tellers ablöst. Das fällt dann im Foto auf.

Die Ausleuchtung des Beispiels

Die Beispielbilder wurden auf einem weißen Hintergrund fotografiert und mit zwei Studioblitzen von links vorne mit Softbox ausgleuchtet. Von hinten wurde das Licht durch den weißen, per Blitz angestrahlen Hintergrund reflektiert. Der Lichtaufbau ist also der Klassische Aufbau für einfache Freisteller.

Tipp:

Mit Dekoration auf dem Tellerrand sollten Sie sparsam umgehen. Hierzu sind auch eher größere Deko-Elemente geeignet, statt kleinere. Also bspw. statt fein geschnittenem Schnittlauch lieber ganze Schnittlauchblätter. Gerade sehr klein geschnittene Kräuter oder Gewürze auf dem Tellerrand sehen sonst oft wie Krümel oder Schmutz aus.

 

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