Makrofotografie mit Balgen und Zwischenringen – Teil 2

Autor: Helma Spona

Betrifft: Fotografie

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Makrofotografie ist ein höchst interessanter Bereich der Fotografie. Wer einmal damit begonnen hat, verfällt in eine Art Sucht. Kleines muss immer größer aufs Bild. Leider ist die Technik hier begrenzt. Große Abbildungsmaßstäbe lassen sich aber bspw. mit Balgen und/oder Zwischenringen erreichen. Im ersten Teil des Artikels ging es vor allem um den Zusammenhang zwischen Auszugverlängerung und Brennweite und die Folgen für den Maßstab. Hier sollen nun erweiterte Techniken behandelt werden.

Wie bereits im ersten Teil erläutert wurde, steigt bei Verwendung einer Auszugsverlängerung mittels Balgen oder Zwischenringen, der Abbildungsmaßstab. Je geringer die Brennweite ist, desto stärker die Vergrößerung, und desto  größer der Abbildungsmaßstab. Allerdings ist diese Möglichkeit begrenzt. Denn, je kleiner die Brennweite, desto näher müssen Sie ans Motiv. Irgendwann ist, abhängig von der Länge der Auszugsverlängerung und der Brennweite eine Kombination erreicht, wo Sie nicht mehr scharf stellen können, weil dazu Ihr Motiv hinter der Frontlinse des Objektivs liegen müsste.

Probleme des extrem kurzen Motivabstands

Mit dem immer kürzeren Motivabstand bei kleineren Brennweiten, gibt es ein weiteres Problem, nämlich die Beleuchtung. Wenn Sie weniger als 2cm vom Motiv entfernt sind, hilft auch ein Ringblitz nicht mehr. Dann können Sie Motive eigentlich nur noch von hinten beleuchten und dazu müssen sie transparent sein. Zudem schlägt selbst das gutmütigste Tier in der Regel bei Abständen unter 3cm die Flucht ein. Praxistauglich sind daher nur Brennweiten über 35mm, wenn Sie sie an Balgen oder Zwischenringen mit maximaler Auszugverlängerung nutzen möchten.
Für Abbildungsmaßstäbe, die darüber hinaus gehen, müssen Sie sich was anderes einfallen lassen. Dazu gibt es drei Möglichkeiten:

  • Ein Objektiv in Retrostellung am Balgen.
  • Ein Lupenobjektiv am Balgen
  • Ein Objektiv in Retrostellung ohne Balgen, dafür aber mit zusätzlicher Nahlinse.

Retrostellung

Objektiv in Retrostellung heißt, dass Sie ein Objektiv umgekehrt anschließen, also mit dem Filtergewinde zur Kamera. Da das aber natürlich nicht an das Bajonett der Kamera passt, brauchen Sie dafür einen Adapter, einen sogenannten Retroring oder Umkehrring für das Bajonett Ihrer Kamera.
Die Retrostellung hat zwei entscheidende Vorteile:

  • Größere Naheinstellgrenze
  • Besser Abbildungsleistung

Naheinstellgrenze

Die Naheinstellgrenze des Objektivs ist in umgekehrter Stellung fix auf einen Wert festgelegt, der dem Auflagemaß der Kamera entspricht. Bei gängigen SLR-Modellen beträgt das Auflagemaß um die 4cm.  Das heißt Sie gewinnen unabhängig von der Brennweite Abstand zum Motiv, den Sie zur Beleuchtung nutzen können.

Abbildungsleistung

Die Abbildungsleistung ist in Retrostellung besser. Das hat einen ganz einfachen Grund. Bei Brennweiten unter 40mm, handelt es sich in der Regel um Weitwinkel-Objektive, die in der Regel für Landschafts- und Architekturaufnahmen verwendet werden. Daher wird hier meist auf Unendlich fokussiert. Das heißt, ein gutes Weitwinkel-Objektiv erzielt auch bei Fokussierung auf Unendlich seine beste Abbildungsleistung. Drehen Sie nun das Objektiv um, entspricht die Unendlich-Stellung dem Nahbereich. Das heißt, die gute Abbildungsleistung, die Sie im Nahbereich bei normalem Anschluss des Objektivs nie erzielen können, steht ihnen in Retrostellung zur Verfügung.

Tipp

Daher ist es auch ganz wichtig, dass Objektiv auf Unendlich zu fokussieren, wenn Sie es in Retrostellung anbringen. Die Schärfe stellen Sie dann ohnehin über den Abstand zum Motiv, also mit der Einstellschiene des Balgens oder einem Makroschlitten ein.

In Frage kommende Objektive

Stellt sich jetzt die Frage, welche Objektive man für so etwas nimmt. Generell kommen alle Weitwinkel-Objektive in Frage. Sie müssen aber

  • Eine ausreichende Abbildungsleistung haben
  • Dürfen nicht zu dick sein, sonst können Sie den Balgen nur voll ausgezogen nutzen
  • Im optimalen Fall sollte es eine Festbrennweite sein, da die Abbildungsleistung hier besser ist.
  • Bei Nikon-Objektiven muss es zwingend ein Objektiv mit Blendenring sein.

 

Tipp: Blende ohne Blendenring einstellen

Verwenden Sie ein Objektiv ohne Blendenring, können Sie in Retrostellung natürlich nicht die Blende einstellen. Das liegt daran, dass diese dann ja nicht über die Kamera gesteuert werden kann weil eine Datenübertragung zwischen Kamera und Objektiv in Retrostellung nicht funktioniert.  Es gibt aber einen kleinen Trick, der immer funktioniert, wenn Ihre Kamera über eine Abblendtaste verfügt und das Objektiv an die Kamera passt (das muss ja nicht zwingend sein, wenn Sie es in Retrostellung nutzen möchten).  Sie gehen dazu wie folgt vor:

  • Schließen Sie das Objektiv richtig herum an und stellen Sie die gewünschte Blende an der Kamera ein.
  • Drücken Sie die Abblendtaste und halten Sie sie gedrückt, währen Sie das Objektiv abnehmen. Dadurch wird die Blende geöffnet und bleibt geöffnet.
  • Sie können das Objektiv nun in  Retrostellung anbringen und fotografieren.

Bei Objektiven ohne Blendenring besteht aber das Problem, dass Sie wie oben beschrieben nur recht umständlich die Blende einstellen können. Flexibel sind sie daher nicht. Außerdem ist durch das Abblenden das Sucherbild sehr dunkel, was das exakte Fokussieren sehr schwer macht. Besser ist daher, Sie verwenden Objektive mit Blendenring, denn dann können Sie die Schärfe bei offener Blende einstellen und erst vor dem Auslösen abblenden.

Hinweis: Besonderheit bei Nikon-Objektiven

Wenn Sie Nikon-Objektive (auch Sigma-Objektive für Nikon-Anschluss) verwenden, die keinen Blendenring haben, haben Sie ganz schlechte Karten, denn auch wenn Sie die Abblendtaste gedrückt halten, wenn sie die Blende eingestellt haben, wird die Blende auf den minimalen Wert geschlossen, wenn Sie das Objektiv abnehmen.  Um die Blende für die Aufnahme zu öffnen, müssen Sie am Kameraanschluss des Objektivs einen Metallstift verschieben und festhalten. Das ist natürlich umständlich, führt zu Verwacklungen und ungenauer Belichtung, wenn Sie während der Belichtung am Stift wackeln. Bei Nikon-Objektiven sollten Sie daher immer Objektive mit Blendenring nehmen.

Gute Erfahrungen habe ich persönlich mit folgenden Objektiven gemacht:

  • Nikkor 35mm AiS, F2,8(hat allerdings wohl bei harten Kontrasten CAs, die sich aber ertragen lassen)
  • Nikkor 28mm AF-D, F2,8
  • Nikkor 50mm AF-D F1,8
  • Zeiss Biotar 25mm für 8mm-Schmalfilmkamera (Am Balgen Maßstab bis 7:1)
  • Zeiss Biotar 12,5mm, für 8mm-Schmalfilmkamera (Am Balgen Maßstab bis 14:1).


Der Einsatz von Objektiven, die gar nicht für die Verwendung an Ihrer Kamera gedacht sind und für die es auch keine Adapter gibt, ist deshalb in Retrostellung möglich, weil Sie die Objektive ja nur mit dem Filtergewinde anschrauben bzw. mit der Vorderseite zur Kamera zeigend anbringen müssen. Der Anschluss muss nicht zum Bajonett der Kamera passen.

Problematisch bei exotischen Objektiven wie den Biotaren für 8mm Schmalfilmkameras ist jedoch, dass Sie über unpassende Filtergewinde verfügen. Sie haben einen so kleinen Durchmesser, dass es dafür keine Filter-Reduzierringe mehr gibt, die man auf den Retroring schrauben kann. Man muss für die Montage solcher Objektive also etwas Fantasie und handwerkliches Geschick haben. Beide haben überdies eine Naheinstellgrenze um die 2cm und sind damit in der Praxis nur sehr bedingt einsetzbar, auch wenn sie unter kontrollierten Studiobedingungen hervorragende Ergebnisse liefern.

Tipp:

Ich verwende zur Montage an der Nikon einen M42-Adapter mit Unendlich-Einstellung für Nikon, aus dem ich das Glas aus der Mitte herausgebrochen haben. Das Biotar befestigte ich dann am Balgen mit Hilfe von drei Haushaltsgummiringen. Klappt ganz gut.

Lupenobjektive

Alternativ erreichen Sie hohe Maßstäbe natürlich auch mit Lupenobjektiven. Die können Sie mittels RMS-Adapter für das Bajonett Ihrer Kamera bzw. des Balgens an den Balgen oder die Zwischenringe anschließen. Sie verfügen aber nicht über einen Fokussiering, sondern im Höchstfall über einen Blendenring. Es gibt aber auch Lupenobjektive ohne Blendenring. Sie verfügen dann nur über eine fixe Blende. Allerdings können Sie dann beim Einstellen der Blende auch nichts falsch machen.
Lupenobjektive mit RMS-Gewinde gibt es schon ab 30 EUR bei eBay. Die Preise überschreiten aber schon mal die 300 EUR-Grenze. Die Ergebnisse mit Lupenobjektiven sind in der Regel sehr gut.

Retrostellung und Makrolinse

Wenn Sie keinen Balgen und keine Zwischenringe haben, lassen sich große Abbildungsmaßstäbe auch mit Hilfe von Retroringen und achromatischen Makrolinsen erreichen. Meine Versuche haben ergeben, dass ein 28mm Objektiv in Retrostellung direkt an der Kamera, kombiniert mit einer Nahlinse von Raynox immerhin Abbildungsmaßstäbe bis 3,6:1 erreicht. Mit einem 20mm-Objektiv ist das sicherlich noch zu steigern. Damit Sie aber die Nahlinse auf die Rückseite des Objektivs aufschrauben oder klemmen können. Benötigen Sie zusätzlich einen Abschluss für das Objektiv. Sie bekommen solche Retro-Abschlussringe bspw. auf www.Traumflieger.de. Darauf schrauben Sie dann einen einfachen 52 oder 55mm-Filter, bspw. eine Skylight-Filter. Der schützt dann auch die Objektivrückseite vor Verschmutzungen und eindringende Insekten. Auf den Filter oder direkt auf den Abschlussring können Sie dann die Nahlinse aufschrauben oder bei Nahlinsen mit Universalklemmadapter von Raynox, den Adapter festklemmen.

Sinnvolle Blenden

Je größer der Maßstab, desto geringer natürlich die Schärfentiefe bei gleicher Blende. Diese lässt sich allerdings nicht bis unendlich ausdehnen, indem Sie einfach die Blende weiter schließen. Das wird allein durch zwei Eigenschaften verhindert:

  • Haben Sie keine Möglichkeit die Blende zu verstellen, bevor Sie auslösen, weil das Objektiv keinen Blendenring hat, oder sie ihn nicht verstellen können, weil Sie dann bspw. an Ihr Motiv stoßen würden, können Sie in der Regel ab Blende 6,7 bei gutem Licht nicht mehr scharf stellen, weil das Sucherbild zu dunkel ist.
  • Je größer der Maßstab, desto mehr wirkt sich die Beugungsunschärfe aus. Sie führt zu Unschärfe, auch wenn Sie exakt fokussiert haben.

In der Regel sollten Sie daher bei allen hier geschilderten Techniken maximal bis Blende 6,7 gehen. Bei Verwendung des Biotars 12,5mm ist sogar nur eine Blende von 4 praxistauglich. Das heißt also auch, dass der Schärfebereich sehr gering ist.

Fazit

Techniken gibt es eine ganze Menge. Wichtig ist nur, dass Sie sie richtig einsetzen. Neben der Wahl der richtigen Technik gibt es natürlich noch weitere Probleme, die zu lösen sind, wie die Beleuchtung, Vermeidung von Verwacklungsunschärfe und die korrekte Fokussierung. Darum wird es in einem weiteren Artikel zur Mikro- und Makrofotografie gehen.

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